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Kontaktlinsen

Auf dem Markt unterscheiden wir zwei grundsätzliche Kontaktlinsengruppen. Die Weichen und die Halbharten (Formstabilen). Mit Kontaktlinsen lassen sich die meisten Fehlsichtigkeiten korrigieren. Bestimmte Augenkrankheiten wie Keratokonus oder Keratoglobus lassen sich oft besser korrigieren als mit einer Brille.


Geschichte
Die erste Idee einer Kontaktlinse hatte Réne Descartes, Philosoph und Naturwissenschaftler aus Frankreich, 1936. Wenig später wurden die ersten Kontaktlinsen (so genannte Sklerallinsen) hergestellt. Sie waren aus Glas, gross, dick und sehr unbequem.

Schnell wurde der Durchmesser auf 10 mm reduziert und das Material auf Acrylglas(PMMA) umgestellt und dadurch eine Tragzeit von 10 - 12 Stunden pro Tag möglich.
Seit den 70er Jahren sind harte und weiche Kontaktlinsen (so genannte Hydrogellinsen) für die Oeffentlichkeit zugänglich.


Linsentypen

Halbharte (formstabile) Kontaktlinsen
Die heutigen halbharten Kontaktlinsen weisen eine zwei- bis siebenmal grössere Sauerstoffdurchlässigkeit auf als Weiche. Ihr Durchmesser ist kleiner und misst zwischen acht und zehn Millimeter. Bei halbharten Linsen besteht ein sehr geringes Risiko der Hornhautschädigung, da sie auf dem Tränenfilm schwimmen und die Hornhaut so besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Mit den derzeitigen Materialien ist ein Grossteil des Sauerstoffaustausches durch die Kontaktlinse hindurch gewährleistet.
Der Tragekomfort konnte dank besseren Messmethoden, fortgeschrittener Formgestaltung sowie angenehmeren Materialien erheblich gesteigert werden. Sie sind den Weichen, punkto Lebensdauer, Ablagerungen, Sehqualität und Handhabung, überlegen.
Bei starkem Wind oder staubigen Arbeiten besteht durch den geringen Durchmesser und die starke Bewegung der Kontaktlinse die Gefahr, dass Fremdkörper unter die Linsen rutschen. Personen, die sich beispielsweise durch ihren Beruf in solcher Umgebung befinden, bevorzugen deshalb meist weiche Linsen. In geschlossen, „staubfreien“, klimatisierten oder geheizten Räumen haben halbharte Kontaktlinsen den Vorteil, massiv weniger schnell auszutrocknen als weiche.


Weiche Kontaktlinsen
Weiche Kontaktlinsen schmiegen sich der Hornhautoberfläche an. Sie sind weicher, dünner und grösser als halbharte. Ihr Durchmesser liegt zwischen 12 und                 16 Millimeter. Sie sind um einiges grösser als die halbharten Kontaktlinsen. Weiche Kontaktlinsen sitzen nicht nur auf der Horn- sondern auch auf der Lederhaut (Augenweiss) und der Linsenrand liegt unter dem Augenlid. Auch der Tränenfilm zwischen Hornhaut und Kontaktlinsen ist sehr viel dünner. Dies und der hohe Wassergehalt der Linsen (30% bis 70%) bewirken, dass sich weiche Kontaktlinsen auf den Augen wenig bewegen, oft komfortabler und weniger störend sind. Das Verlustrisiko ist um einiges geringer als bei halbharten Linsen.
Das Risiko von Augenschädigungen infolge Ablagerungen und Sauerstoffmangel ist durch das porösere Material grösser als bei formstabilen Kontaktlinsen.


Verschiedene Linsensysteme

1. Tagessysteme
2. Nachtsystem

1. Tagessysteme
Diese Linsen werden während des Tages getragen, am Abend vom Auge entfernt und entweder entsorgt (Tageslinsen) oder gereinigt und aufbewahrt (alle anderen Linsen).

1.1 Halbharte (formstabile) Kontaktlinsen: Diese Kontaktlinsen werden auf  fünfhundertstel Millimeter genau angepasst. Es gibt diverseste Geometrien, Durchmesser und Materialien. Formstabile Kontaktlinsen werden im Durchschnitt zwischen einem und drei Jahren getragen. Abends werden sie von Augen entfernt, gereinigt und in Linsenflüssigkeit aufbewahrt.
Korrigiert werden damit: Kurzsichtigkeiten (Myopie), Uebersichtigkeiten (Hyperopie), Hornhautverkrümmung (Astigmatismus), Alterssichtigkeiten(Presbyopie).


1.2 Weiche Kontaktlinsen: Diese Kontaktlinsen werden unterteilt in:

1.2.1 Tagessystem
Diese Kontaktlinsen werden einmalig getragen (1 Tag) und danach weggeworfen. Es können Kurz-, Ueber-, und Altersichtigkeit wie auch Hornhautverkrümmung korrigiert werden.
Vorteil: Keine Pflegemittel, Reinigung und Aufbewahrung notwendig. Sie eignen sich für sporadisches Tragen im Wechsel mit Brille.

1.2.2. Zweiwochensystem
Diese Kontaktlinsen werden 14 Mal getragen und dann weggeworfen. Es können Kurz-, Ueber-, und Altersichtigkeit wie auch Hornhautverkrümmung korrigiert werden.
Sie müssen nach jedem Tragen unbedingt gereinigt und in Kontaktlinsen-flüssigkeit aufbewahrt werden.
Vorteil: Wenn die Kontaktlinsen häufig getragen werden, ist dieses System günstiger als Tageslinsen. Bei Ablagerungsproblemen mit Monats- oder Jahressystemen sind zwei Wochenlinsen eine gute Alternative.

1.2.3. Monatssystem
Diese Kontaktlinsen werden 30 Mal getragen und dann weggeworfen. Es können Kurz-, Ueber- und Altersichtigkeit wie auch Hornhautverkrümmung korrigiert werden. Sie müssen nach jedem Tragen unbedingt gereinigt und in Kontaktlinsenflüssigkeit aufbewahrt werden.
Vorteil: Bei Ablagerungsproblemen mit Jahressystemen sind Monatslinsen eine gute Alternativen. Bei häufigem Tragen ist dieses System massiv günstiger als Tageslinsen. Die Auswahl an verschiedenen Monatssystemen bezüglich Material und Geometrie ist viel grösser als bei Tageslinsen.

1.2.4. Jahressystem
Diese Kontaktlinsen werden ein Jahr oder länger getragen, je nach Verschleiss und Ablagerungen. Es besteht eine riesige Auswahl an verschiedenen Geometrien, Durchmesser und Materialien. Der/die Optiker/in, welche/r die Anpassung und Kontrollen vornimmt entscheidet, wann eine Linse gewechselt werden muss.
Vorteil: Werden diese Kontaktlinsen sorgfältig behandelt, gehen sie weder verloren noch kaputt, ist es ein sehr kostengünstiges System im Vergleich zu Tages- und Monatslinsen.


1.3 Multifokallinsen bei Alterssichtigkeit (weich und halbhart erhältlich)
Nach dem 40. Lebensjahr verliert das menschliche Auge langsam die Fähigkeit  in die Nähe zu fokussieren. Man bezeichnet dies als Alterssichtigkeit oder Presbyopie. Zusätzlich zur Fernkorrektur benötigt man einen Nahzusatz. Seit 1982 gibt es diverse Multifokallinsen, welche das deutliche Sehen in Ferne und Nähe wieder möglich machen.
Diese Kontaktlinsen werden in vier Systeme unterteilt und sind als halbharte und weiche Linsen erhältlich.

1.3.1 Segmentförmige Bifokallinsen
Diese Linsen bestehen aus zwei optischen Zonen. Im oberen Bereich der Kontaktlinse ist die Fernkorrektur angebracht, im unteren die Nahkorrektur. Die Linse wird so angepasst, dass beim Blick geradeaus die Fernzone vor der Pupille liegt. Senkt man den Blick zum lesen, wird die Linse, welche unten eine Verdickung aufweist, durch das Unterlid nach oben geschoben. Somit blickt man durch den Nahteil.
Vorteil: Getrennte,  sehr deutliche Sehbereiche

1.3.2 Konzentrische Multifokallinse
Diese Linsen entwerfen durch verschiedene optische Zonen gleichzeitig mehrere Bilder. Dem Auge werden verschieden deutliche Bilder dargeboten, das Gehirn wählt unbewusst das Deutlichste davon aus. Die restlichen, weniger deutlichen Bilder werden unterdrückt. Diese zwei oder mehreren Zonen sind ringförmigen angeordnet.  Bei modernen Linsen sind die Uebergänge fliessend.

1.3.3 Monovisionstechnik
Bei Monovision wird ein Auge, das Führungsauge, mit der Fernkorrektur und das andere Auge mit Nahkorrektur bestückt. Durch die Monovision (ein Auge Ferne, ein Auge Nähe) ist die Sehleistung oft leicht reduziert im Vergleich zu binokularer (beide Augen Ferne) Fernkorrektur.

1.3.4 Mischformen
Je nach Anforderung werden unterschiedliche Linsen getestet. Dies kann eine Kombination von Multifokallinsen (ein Auge Priorität Ferne, ein Auge Priorität Nähe), oder das Führungsauge mit Fernlinse, das zweite Auge mit einer Multifokallinse etc. sein.


1.4 Kosmetische Kontaktlinsen
Diese farbigen und bemalten ’Motivlinsen’ werden vor allem aus ästhetischen oder kosmetischen Gründen getragen. Sie sind auch mit Korrektur erhältlich.
Diese Kontaktlinsen gibt es in allen möglichen Farben und Motiven.


2. Nachtsystem

2.1 Nachtlinsen (Orthokeratologie): Nachtlinsen sind Kontaktlinsen welche ausschliesslich Nachts getragen und morgens vom Auge entfernt werden. Durch speziell geformte halbharte Linsen übernimmt die Hornhaut die Form der Kontaktlinsen. So reduziert sich die Kurzsichtigkeit (Myopie) und/oder die Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). Während des Tages ist die Sehschärfe ohne Brille oder Kontaktlinsen einwandfrei. Werden die Linsen 36 Stunden nicht getragen nimmt die Hornhaut wieder ihre ursprüngliche Form an.
Somit stellt die Orthokeratologie eine sinnvolle Alternative zu nicht reversiblen chirurgischen Eingriffen (LASIK, LASEK, PRK…) dar. Korrigierbar sind Myopien bis ca. -4.50 dpt sowie evtl. Hornhautverkrümmungen bis ca. -1.50 dpt.
Dauerhafte krankhafte Hornhautveränderungen sind in den 20 Jahren, seitdem das Verfahren – vornehmlich in den USA – angewendet wird, bislang nicht bekannt geworden. Insofern wird das Verfahren als risikoarme Alternative zu operativen Verfahren einer Fehlsichtigkeitskorrektur angesehen.


Anpassung und Kontrollen
Eine Anpassung der Kontaktlinsen sollte von einem/r diplomierten Augenoptiker/in vorgenommen werden. Sind Kontaktlinsen nicht fachgerecht angepasst, können sie für die Augen schädlich sein.
Der/die Optiker/in  misst Geometrie, Durchmesser, Lidspaltengrösse und Lidstellung, beurteilt die Beschaffenheit der Hornhaut und der Tränenzusammensetzung etc. Er/sie testet diverse Linsen, bis die Optimalen gefunden sind.

Mögliche Unverträglichkeiten können vermieden werden, indem das Zusammenspiel zwischen Augen und Kontaktlinsen regelmässig kontrolliert wird. Im Umgang mit Kontaktlinsen ist die Hygiene sehr entscheidend. Oft entscheidet sie über Verträglich- oder Unverträglichkeit der Kontaktlinsen. Linsen, Linsenbehälter sowie Flüssigkeiten müssen regelmässig ausgetauscht werden. Die Hände sind unbedingt vor jeder Berührung der Kontaktlinsen mit Seife zu waschen. Zu alte Linsen schädigen die Augen.


Risiken und Nebenwirkungen
Eine falsche Kontaktlinse reduziert die Versorgung der Hornhaut mit Nährstoffen

• Dadurch besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko
• Es können dauerhafte Quellungen und Trübungen der Hornhaut entstehen.
• Plötzliche Überempfindlichkeit: Die Augen stossen die Kontaktlinsen ab, was die betroffenen oft als ’’trockene Augen’’ beschreiben.

Die Hornhaut weist als einzige Körperoberfläche keinen Sauerstoffwechsel durch das Blut auf. Sie bezieht den Sauerstoff aus dem Tränenfilm, dieser direkt aus der Luft. Dieser Sauerstoffaustausch ist einmalig aber auch eher instabil. Bei übermässigem Kontaktlinsentragen und/oder mangelnder Hygiene erhält die Hornhaut permanent zu wenig Sauerstoff. Dies führt oft zu sofortiger Unverträglichkeit. Präventiv sollte ab und zu die Brille getragen werden und die Kontaktlinsen immer gut gereinigt und gepflegt werden. Damit ermöglicht man der Hornhaut genügend Sauerstoff zu tanken.

 

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